Die neue Prozessorgeneration

Intel und AMD setzen auf Prozessoren mit integrierter Grafik.


Sandy Bridge heißt die zweite Core CPU-Generation von Intel, die mit integrierter Grafik und 32 nm-Technologie den Kom-ponenten-Bereich nicht nur auf CPU-Ebene revolutioniert. Anfang Januar haben die großen Chip-Hersteller auf der Consumer Electronics Show (CES), der weltweit größten Messe für Unterhaltungselektronik in Las Vegas, ihre neuen Prozessorgenerationen mit integrierter Grafik vorgestellt. Damit haben sie sich wieder einmal als treibende Kraft nicht nur auf dem Komponenten-, sondern auch auf dem Notebook-Markt erwiesen.

Brandneue Technologie

Die Sandy Bridge-Prozessoren von Intel kommen mit einer Chip-Architektur, die erstmals den eigentlichen Prozessor (CPU) mit dem Grafikchip (GPU) und dem PCI-Controller auf einem Intel- Chip integriert. Die damit verbundenen Vorteile: Höherer Datendurchsatz, mehr Effizienz, größere Multimedia-Power und weniger Stromverbrauch. Die Intel Core Prozessoren der zweiten Generation wurden vom Hersteller gründlich überarbeitet. Die Produktbezeichnungen Core i3, i5 und i7 bleiben zwar bestehen, ebenso wie die technische Grundlage mit Turbo-Boost (Core i5/i7), Hyper-Threading (Core i3/i7) und einem im Prozessor integrierten Grafikkern, doch dieser ist deutlich schneller als bei der ersten Generation. Der neue Intel-Grafikkern arbeitet bei fast allen neuen Core-i-CPUs mit 650 MHz und kann bis zu 1.300 MHz im Turbo-Boost-Modus erreichen. Die integrierte Grafik erreicht damit fast die Leistung der mobilen Einsteiger-Grafikkarten von ATI und Nvidia. Die neue Technologie beeindruckt vor allem bei HD-Filmen. Das Top-Modell i7-2600K bietet mit einem Basis-Takt von 3,4 GHz auch für Spiele viel Power bei vergleichsweise niedrigem Stromverbrauch. Eingefleischte Gamer allerdings werden für anspruchsvolle, aufwändige Spiele wohl weiterhin eine Extra- Grafikkarte einsetzen. Eine weitere Neuerung von Sandy Bridge ist eine spezielle Ring-Verbindung, welche die CPU-Kerne, die Grafik, einen neuen System Agent (Controller für PCI-Express, DMI, Speicher und Display Engine) und den Last Level Cache besonders schnell miteinander kommunizieren lässt und so für mehr Systemperformance sorgt.

AMD zieht nach

Voraussichtlich im zweiten Quartal des Jahres wird Intel-Konkurrent AMD mit Fusion ebenfalls eine Chip-Generation auf den Markt bringen, die CPU und Grafikprozessor integriert. Die als APUs (Accelerated Processing Units) bezeichneten Produkte beherrschen die DirectX11-Grafik, wodurch sie nach Herstellerangaben bei ent-sprechender Software-Unterstützung bei Anwendungs- und Videobeschleunigung punkten und sich einen Vorteil gegenüber Konkurrenten verschaffen könnten.

Mehr Computer-Power

Wie die CES deutlich gezeigt hat, setzen mittlerweile alle namhaften Notebook-Hersteller auf die neuen Prozessoren. Das Angebot an CPUs deckt aber nicht nur den Notebook-Bereich ab, sondern umfasst Chips für die verschiedensten Ansprüche – vom Tablet- und All-in-One-PC bis hin zum leistungsstarken Desktop-Rechner. Betrachtet man die Architektur, sind die Sandy Bridge-Chips für Notebooks baugleich mit den Desktop-Versionen, verbrauchen aber weniger Strom. Diese Low-Voltage- und Ultra-Low-Voltage-Prozessoren verlängern spürbar die Akkulaufzeit und kommen speziell bei hochmobilen Subnotebooks zum Einsatz. Für Fachhändler und Systemhäuser bietet sich hier eine enorme Marktchance, denn die neuen Prozessoren tragen dazu bei, den PC-Absatz zu steigern, da Sandy-Bridge-Chips nicht einfach als Ersatz für ältere Intel-CPUs eingesetzt werden können. Es wird zumindest ein neues Motherboard mit passendem Sockel, (Socket LGA 1155) benötigt – und Endkunden ziehen es in so einem Fall häufig vor, gleich einen neuen Rechner zu kaufen. Branchenkenner gehen davon aus, dass die neuen Prozessoren mit Sandy Bridge-Architektur und LGA 1155-Sockel zu neuen Launches in diesem Segment und einer neuen Ausrichtung der Grafikkarten-Welten führen werden.

Optimierte Grafik

Eine der bedeutendsten Neuerungen aus Sicht des Anwenders ist zweifelsohne die neue Grafikeinheit. Bisher war in aller Regel die Grafik „onboard“ auf dem Mainboard vorhanden, und bei den Prozessoren mit integrierter Grafik war die Leistung lediglich für Standard-Desktop-Anwendungen ausreichend. Bei den neuen CPUs mit Sandy Bridge Architektur sitzt nun die Grafikeinheit im gleichen Die wie die Prozessorkerne und hat einen ebenso schnellen Zugriff auf den Last-Level-Cache wie die Kerne oder der „System Agent“. Die GPU ist damit sozusagen auf einer Stufe mit den Prozessorkernen angelangt. Um den Energieverbrauch der integrierten Grafikeinheit (iGPU) zu reduzieren, besitzt diese praktisch die gleichen Energiesparmechanismen wie die Kerne. So gibt es eine Funktion, um die Taktfrequenz und Versorgungsspannung an die aktuelle Lastsituation anzupassen – „Gra-phics Performance Modulation Technology“ genannt – die der bereits seit Jahren in den Prozessoren vorhandenen Speedstep- Technologie entspricht. Darüber hinaus kann die iGPU im Falle, dass gar keine Aufgaben zu bearbeiten sind, auch einen besonders tiefen Schlafzustand, den Render C-State, einnehmen. In diesem wird die iGPU nur noch mit 0,4 Volt versorgt und sollte daher so gut wie keine Energie mehr verbrauchen.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Mit ihren Neuentwicklungen haben Intel und AMD ein Signal gesetzt, und für die anderen Hersteller wird es kein leichtes Unterfangen werden, sich daneben als Konkurrent zu platzie-ren. Der Spezialist für Grafiklösungen Nvidia setzt auf eine andere Architektur und will mit der Entwicklung einer Kombination aus ARM (Advanced Risc Machine)-Prozessor und Grafik- Chip den Anschluss an die Mobil-Plattformen von AMD und Intel herstellen. Die ARM-Architektur zeichnet sich durch einen effizienten Befehlssatz aus und kommt aufgrund ihrer geringen Leistungsaufnahme in vielen mobilen Systemen zum Einsatz. Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte bei der Vorstellung von Windows 8 deutlich gemacht, dass das neue System auch auf Rechnern mit ARM-Prozessoren zum Einsatz kommen wird und angekündigt, dass Microsoft in Zukunft auch mit anderen Chipherstellern zusammenarbeiten werde. Handliche Notebooks, die leistungsfähig genug sind, um auch im Akkubetrieb stundenlang flüssig arbeiten zu können, sind im Trend. Mit der Fusion-Plattform und der Sandy-Bridge-Architektur haben AMD und Intel Wege gefunden, Prozessor und Grafik-Chips auf einem Die zu vereinen. Nur so lässt sich der Energiebedarf des Systems so weit verringern, dass hohe Leistung und ein längerer Akku-Betrieb vereinbar sind. Wie schnell solche Notebooks den Markt erobern könnten, verdeutlicht eine Untersuchung von iSuppli, derzufolge weltweit der Marktanteil von Notebooks, die mit einem integrierten Grafikprozessor ausgestattet sind, bis zum Jahr 2014 auf über 80 Prozent steigen soll.

Anspruchsvolle Hardware für anspruchsvolle Spiele(r)

Bei allen Vorteilen, welche die neuen Chip-Architekturen mit integrierter GPU bieten – für Highend-Gamer ist die integrierte Grafik keine echte Alternative. Für diese Klientel bietet der Komponenten-Markt eine Reihe hochleistungsfähiger Grafikkarten, etwa das neueste Modell der Radeon HD 6000-Reihe von AMD, die Radeon 6970, mit vollständiger DirectX11-Unterstützung und Eyefinity-Technologie zum simultanen Betrieb von bis zu 6 Monitoren gleichzeitig. Und die AMD EyeSpeed Technologie beschleunigt die Anwendungen und verleiht ihnen eine brillante Optik. Nvidia schickt den NVIDIA GeForce GTX 570-Grafikprozessor mit 3D Vision-Technologie in das Rennen, und viele weitere Hersteller wie etwa MSI, Sapphire oder PNY buhlen um die Gunst der anspruchsvollen Spieler. Für viele Anwender ist der Grafikkarten- Markt ein undurchdringlicher Dschungel, in dem der Rat des Fachhändlers wertvolle Hilfe sein kann.

Die Vorteile auf einen Blick

Die Zweite Intel® Core® Prozessoren
Generation mit 32nm Technologie bietet:
• 20% mehr Performance
• Weniger Stromverbrauch
• Weniger Wärmeentwicklung

Intel® Hyper-Threading Technologie (nur i3 & i7)
• Vier-Wege-Multitasking – jeder Prozessorkern kann zwei Aufgaben gleichzeitig verarbeiten
• Schnellere Reaktionszeiten – weniger Verzögerungen Intel® Turbo Boost Technologie (nur i5 & i7)

• Passt sich automatisch den aktuellen Performance-Bedürfnissen an Intel® HD-Grafik
• Faszinierende Möglichkeiten mit der integrierten HD-Grafik für Intel® Core i3 (i5 & i7 „K“-Serie)
• Signifikanter Vorteil gegenüber den Vorgängermodellen
• 3-D Blu-Ray Playback in full 1080p (3-D Monitor & Brille erforderlich)


verfasst am 19.04.2011, 12:39

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