Von Z3 und ENIAC zu Notebook und Tablet-PC

Der erste "richtige" Computer wird bald 70 Jahre alt


Obwohl er nur die 0 und die 1 kennt, hat er die Welt nachhaltig verändert. Nächstes Jahr wird er greise 70 Jahre alt – der Computer. Die programmierbare Maschine des Berliner Erfinders Konrad Zuse aus dem Jahre 1941 gilt historisch gesehen als erster voll funktionsfähiger Computer, der nach dem bis heute gültigen binären Zahlensystem arbeitet.

Gelangweilt durch die ständig wiederkehrenden, monotonen Berechnungen als Statiker in einem Flugzeugwerk versuchte Zuse sich bereits 1938 an einer elektro-mechanischen Maschine, die sich mittels Lochkarten bedingt programmieren ließ, und die ihm die ungeliebten Arbeiten abnehmen sollte.
„Gewaltige“ Leistung

Die Mechanik des aus dieser Idee entstandenen Z1 arbeitete aber zu ungenau, so dass er die Mechanik nach und nach gegen Transistoren austauschte. Vergleicht man den daraus resultierenden Z3 mit heutigen PCs, reichen Welten als Zeichen der Unterlegenheit nicht mehr aus. So drehte sich beim Z3 die Taktwalze exakt 5,3 mal pro Sekunde,was man praktisch als 5,3 Hertz Taktfrequenz in die Neuzeit übertragen kann. Aktuelle PCs respektive dessen Prozessoren hingegen arbeiten mit rund 3.000.000.000 Hertz beziehungsweise 3 GHz. Anders gesagt: Jeder 1-Euro-Taschenrechner vom Wühltisch arbeitet um ein Vielfaches schneller als die Schrankwand-große Rechenmaschine. Das Rechenwerk des Z3 bestand aus 600 Relais plus 1400 Relais als Arbeitsspeicher, was für 64 Wörter mit je 22 Bit ausreichte. Heutige Prozessoren beherbergen bis zu 700 Millionen Transistoren und mehr auf ihrem Chip.
Eine deutlich höhere Rechenleistung erzielte der von der US-Armee in Auftrag gegebene und 1946 vorgestellte Universalrechner ENIAC. Er benutzte Elektronenröhren zur Darstellung von Zahlen und elektrische Pulse für deren Übertragung. Der User von heute, der mit seinem handlichen Note- oder Netbook im Internet surft und große Datenmengen schnell und mühelos verwaltet, wird sich die Dimensionen dieses Computers, der immerhin addieren, subtrahieren, multiplizieren, dividieren und Quadratwurzeln ziehen konnte, kaum vorstellen können: 10 x 17 Meter Grundfläche und 27 Tonnen Gesamtgewicht!

Computer für jedermann

Bis gegen Ende der 60er Jahre wurden die Großrechner zu „handlicheren“ Geräten weiterentwickelt, welche hauptsächlich in Bildungseinrichtungen, Forschungszentren und Konzernen eingesetzt wurden. In den 1970ern wurde der Computer endlich zum Allgemeingut, denn die teuren Computerbauteile waren mittlerweile so preisgünstig, dass Unternehmen mit der Entwicklung von Computern für private Zwecke begannen. Der erste für Heimanwender ausgerichtete Computer, der kommerziellen Erfolg hatte, war der noch als Bausatz vertriebene Altair 8800 aus dem Jahr 1974. Der erste industriell hergestellte PC war der Apple II der Firma Apple, der im April 1977 in den USA vorgestellt wurde. Nach dem Erfolg des Apple II begann auch IBM, der damalige Marktführer für Datenverarbeitungsanlagen, mit der Entwicklung eigener Personal Computer. Am 12. August 1981 wurde der erste IBMPC vorgestellt, für den die Werbeabteilung von IBM den Begriff „Personal Computer“ prägte, um ihn von billigeren Heimcomputern wie etwa dem ATARI ST abzugrenzen.



Rasante Entwicklung

Die Entwicklung sowohl der Computertechnologie als auch der Absatzzahlen ist atemberaubend. Galten vor einigen Jahren zum Beispiel noch eine 60 GB-Festplatte und 1 MB Arbeitsspeicher als Top-Ausstattung, so sind heute 500 GB Festplattenspeicher und 4 MB Hauptspeicher Gang und Gäbe bei Mittelklasse- Modellen. Und die Anzahl der weltweit genutzten Computer beläuft sich nach Schätzungen mittlerweile auf ca. 1,5 Milliarden, gegen die sich die 20 Millionen im Jahr 1980 und auch noch die 600 Millionen im Jahr 2001 geradezu mickrig ausnehmen. Nach Angaben der Analysten des renommierten Marktforschungsinstituts Gartner wird die Anzahl der PCs bis zum Jahr 2012 weit über zwei Milliarden betragen; vor allem in den Schwellenländern wird die Zahl der installierten Computer stark ansteigen.


Die Notebook-Ära

Lange Zeit war der aus Rechner, Tastatur und Monitor bestehende Desktop-PC Inbegriff des Personal Computers, aber in den letzten Jahren geht der Trend immer mehr zu kleinen, handlichen, aber dennoch leistungsstarken Geräten. Aktuelle Top-Prozessoren und Grafikkarten für Notebooks sind technologisch schon auf einem Niveau mit Desktop Komponenten, obwohl high-end Desktop Rechner noch eine geringfügig höhere maximale Leistung bieten. Das „Notebook-Zeitalter“ brach Ende 2008 an, als erstmals weltweit mehr Notebooks als Desktop-PCs verkauft wurden und die Notebook- Verkäufe im Vorjahresvergleich um 40 Prozent stiegen. In Deutschland betrug zu dieser Zeit der Anteil an Notebooks bereits 62 Prozent gegenüber lediglich 39 Prozent im Jahr 2005. Grund für den Erfolg der mobilen Geräte waren neben gestiegener Leistung stark sinkende Preise sowie die höhere Flexibilität und Mobilität im privaten und beruflichen Gebrauch. Auch der Einsatz von All-in- One-PCs im Niedrigpreis-Bereich konnte diese Entwicklung nicht stoppen.


Netbooks unter neuen Sternen

Mittlerweile hat sich aber bereits eine neue Geräteklasse etabliert – die Netbooks sind billiger als Notebooks, kleiner als Subnotebooks und versprechen, ein guter mobiler Begleiter zu sein. Dieses Versprechen können sie aber nur zum Teil einlösen, denn sie sind zwar klein und leicht, aber dann doch wieder zu groß, um sie selbst in geräumigen Jacken zu verstauen. Nicht alle haben UMTS oder alltagstaugliche Laufzeiten, Touchscreens gibt es nur bei einzelnen Modellen. Zudem fehlt speziell an den Mobilbetrieb angepasste Software, bei vielen Modellen musste der Benutzer bisher mit einer Standardinstallation vorlieb nehmen. Drei Anwendergruppen sind es hauptsächlich, die Netbooks bevorzugen: Die erste sieht sie als Alternative zum Subnotebook oder als zusätzlichen PC. Die zweite nutzt Computer so selten und mit so anspruchsloser Software, dass das billigste am Markt reicht. Und die dritte Gruppe sucht eine Möglichkeit, auch unterwegs an Internet-Aktivitäten wie eBay, E-Mails, Chat, Blog oder Online-Shopping teilzunehmen. Trotz mancher Nachteile sehen Marktforscher die zunehmende Beliebtheit der Netbooks als Triebfeder für die Computer-Branche:Weltweit wurden im letzten Jahr nach aktuellen Schätzungen 25 Millionen Stück verkauft statt der ursprünglich im Mai 2009 geschätzten 21 Millionen. Bis 2010 soll der Absatz auf 37 Millionen Stück anwachsen. Bemerkenswert angesichts dieser Zahlen ist, dass viele namhafte Hersteller den Einstieg in dieses vom Kunden stark nachgefragte Segment nur schwerfällig vollziehen. Geradezu unverständlich die Aussage des Steve Jobs-Vertreters Tim Cook von Apple, der Netbooks in Bausch und Bogen verurteilt und als „Mist“ bezeichnet.


Mini, Maxi oder Subsub?

Netbooks sind sicherlich das Thema des letzten Jahres gewesen. Dass dies auch 2010 wieder ähnlich sein wird, hat auch die CES Anfang Januar in Las Vegas gezeigt. Neben reinen Netbooks gibt es nun aber schon einen weiteren Trend: Maxi-Netbooks oder SubSubNotebooks, je nachdem von welcher Seite aus, man sich den Geräten annähert. Die Geräte im 11,6-Zoll-Format sind genau genommen zu groß um noch ein ultramobiles Netbook zu sein, sollen gleichzeitig aber eine deutlich gesteigerte Produktivität bieten.


Die Tablets kommen

Man nehme Stift und Bildschirm – fertig ist der Tablet-PC. Ganz so einfach ist es allerdings nicht, denn im Gehäuse müssen an Hardware u.a. auch noch Prozessor und Festplatte untergebracht werden. Auf der diesjährigen Consumer Electronics Show gehörten die stiftbedienbaren Computer jedenfalls zu den Hauptattraktionen, die für Wirbel sorgten, wenn auch zahlenmäßig mehr neue Netbooks vorgestellt wurden. Die Idee des stiftbedienten Computers gab es schon weit vor den heutigen Tablet-PCs; das erste Konzept zu einem tragbaren Computer mit intuitiver Benutzeroberfläche war in den 1960er und 70er Jahren das Dynabook. Einer der ersten Computer mit echter Stifteingabe war 1993 der Newton von Apple, der Vorläufer der heutigen PDAs. Inwieweit sich die neue alte Idee durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Der angekündigte Tablet-PC von Apple scheint allerdings auf großes Interesse der Verbraucher zu stoßen, denn in einer von RBC Capital Markets beauftragten Umfrage unter 3100 Verbrauchern haben 21 Prozent ihr Interesse an Apples bisher unveröffentlichtem Tablet-PC geäußert. Interessantes Detail dazu: Eine ähnliche Umfrage zum iPhone, die im April 2007 vor der Einführung der ersten Generation des Apple-Smartphones durchgeführt worden war, ermittelte ein Interesse von nur neun Prozent. Nach eigenen Angaben hat Apple in den letzten zwei Jahren 30 Millionen iPhones verkauft...


verfasst am 19.01.2010, 11:39

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